"starke Marke"

Der GENO-MAN steht für die „Superkräfte“ der Genossenschaftsgruppe insgesamt. Wir haben BVR-Präsident Uwe Fröhlich gefragt, wo er besondere Stärken sieht.

think.bank: Die Bankenbranche steht angesichts des Drucks durch Regulatorik, Niedrigzinspolitik, Digitalisierung und demografischen Wandel gehörig unter Druck. Viele Genossenschaftsbanken klagen, sie können sich kaum noch um das Tagesgeschäft kümmern. Können Sie das nachvollziehen?

Uwe Fröhlich: Die kumulierte Wirkung dieser Faktoren belastet tatsächlich stark das tägliche Bankgeschäft. Vor allem kleinere Häuser können hier nur schwer ausweichen, da die personellen Ressourcen stärker begrenzt sind. Wir müssen uns als Gruppe diesen Herausforderungen stellen, vor allem die zentralen Einheiten, die Verbände, die Rechenzentrale Fiducia & GAD und die Zentralbank müssen helfen, den Banken Lasten abzunehmen.

think.bank: Welchen dieser vier Druckfaktoren halten Sie für den gefährlichsten und warum?

Uwe Fröhlich: Das Umfeld für Banken war immer schon durch wechselnde Herausforderungen geprägt. Die genossenschaftliche FinanzGruppe ist deshalb so erfolgreich, weil sie sich diesen Herausforderungen stets aktiv, das heißt unternehmerisch, gestellt hat.

think.bank: Wie beurteilen Sie den wachsenden Wettbewerb durch Direktbanken und Fintechs?

Uwe Fröhlich: Wir beklagen uns nicht über zu viel Wettbewerb. Den hat es immer gegeben und wird es immer geben. Viel wichtiger ist es, als filialgestützte Universalbanken, wie es die Genossenschaftsbanken typischerweise sind, den sich ändernden Kundenbedürfnissen in einer digital vernetzten Welt gerecht zu werden, ohne unsere Alleinstellungsmerkmale der räumlichen und persönlichen Kundennähe aufzugeben. Die genossenschaftliche FinanzGruppe hat hierzu das Großprojekt KundenFokus entwickelt. Ziel ist es, alle Zugangswege zur Bank, die klassischen wie die digitalen, zu vernetzen und dem Kunden die Entscheidung zu überlassen, welchen Zugangsweg zu seiner Bank er präferiert. Im Übrigen fordern wir gegenüber der Politik, dass es keine regulatorischen Freiräume oder Sonderregeln für Fintechs geben darf. Es muss gelten: „Same risks same rules.“

think.bank: Kritiker sagen, klassische Banken seien gar nicht in der Lage, neue, innovative Ansätze zu entwickeln. Was würden Sie diesen Kritikern entgegnen?
Uwe Fröhlich:
Es liegt in der Natur der Sache, dass man eine FinanzGruppe mit 180.000 Mitarbeitern nicht über Nacht umbauen kann. Wir können und wollen nicht wie ein Fintech auf der grünen Wiese agieren. Auf der anderen Seite haben wir wesentliche Leistungsmerkmale, die sich jedes Start-up wünschen würde: eine starke Marke, ein erfolgreiches genossenschaftlich geprägtes Geschäftsmodell mit über 150-jähriger Geschichte. Unsere Kunden kennen uns über viele Jahre hinweg, sie vertrauen uns. Hierauf bauen wir auch künftig. Technologisch brauchen wir den Vergleich mit anderen Anbietern nicht zu scheuen. Schauen Sie sich zum Beispiel unsere VR-BankingApp an. Die App ist multibankfähig, kann „Scan2bank“, „Geld senden und empfangen“ und ist hinsichtlich Authentifikation und Transaktionsfreigabe absolut auf dem neuesten Stand. Grundsätzlich sollten sich Innovationen immer daran messen lassen, dass die Kundenbedürfnisse bestmöglich bedient werden. Als ein Beispiel sei der Zahlungsverkehr erwähnt. Hier forcieren wir derzeit mit großem Einsatz das kontaktlose und mobile Bezahlen, die Einführung von Echtzeitzahlungen steht für nächstes Jahr ebenfalls in den Startlöchern.

think.bank: Wo wünschen Sie sich mehr Ideen oder Mut?

Uwe Fröhlich: An Ideen, die Genossenschaftsbank der Zukunft zu gestalten, mangelt es in unserer Gruppe nicht. Die eigentlichen Herausforderungen liegen eher darin, genügend Entwicklungskapazitäten für die Umsetzung dieser Ideen bereitzustellen und die Lösungen anschließend entsprechend im Markt zu positionieren.

think.bank: Was können die Verbände tun?

Uwe Fröhlich: Der BVR ist das strategische Kompetenzzentrum der Gruppe. Im derzeit wichtigsten Projekt KundenFokus fungieren wir vor allem als Impulsgeber und Projektmanager, der die Arbeit der Gruppe moderiert und koordiniert. Die Projektgruppen wiederum sind mit Spezialisten der Banken sowie der zentralen Einheiten, wie zum Beispiel der DZ BANK, der Union Investment, der TeamBank, der R+V Versicherung und natürlich des BVR, bestückt. So stellen wir sicher, dass das gesamte Know-how der Gruppe in die Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells fließt. Die Kollegen der Regionalverbände helfen dann, die einzelnen Projektbausteine in den Genossenschaftsbanken umzusetzen. Die Einbindung der gesamten FinanzGruppe ist natürlich aufwendig. Am Ende stärkt sie aber die Akzeptanz für die Umsetzung der strategischen Entscheidungen. Schauen Sie auf unsere Wettbewerber, wie oft man dort Strategien ausgerufen und nach ein paar Jahren wieder verworfen hat. Das werden Sie bei uns nicht finden.

think.bank: Was müssen die Banken tun, damit sie in fünf Jahren noch so gut aufgestellt sind wie heute?

Uwe Fröhlich: Sie dürfen den Blick für die Kunden sowie für unser genossenschaftliches Geschäftsmodell nicht verlieren. Der Kunde hat vielfältige Anforderungen an seine Bank. Institute, die es verstehen, die Wünsche ihrer Kunden optimal zu bedienen, werden auch in fünf Jahren erfolgreich sein. Hier sehe ich uns auf einem erfolgreichen Weg.