Zurück auf Los

Die parcIT, eine Tochter der Fiducia & GAD, ist unter anderem auf Softwarelösungen spezialisiert, die die Banken bei der Erfüllung regulatorischer Auflagen entlastet. Wir sprachen mit den Geschäftsführern Klaus Wiegand, 54, und Heinz-Otto Krauskopf, 59, über diese spezielle Marktnische.

think.bank: Was ist bei der parcIT der Treiber für neue Produkte oder Lösungen?

Klaus Wiegand: In der Regel handelt es sich ja um gesetzgeberische Vorgaben und fachliche Anforderungen, denen die Banken innerhalb bestimmter Fristen nachkommen müssen. Das ist für uns das Signal, aktiv zu werden. Hinzu kommen der enge Kontakt und die Diskussionen mit unseren Kooperationspartnern und Kunden.

think.bank: Dann freuen Sie sich sicherlich über jede regulatorische Neuerung?

Heinz-Otto Krauskopf: Für uns als Softwarehaus stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Nutzen und Aufwand genauso wie für die Banken selbst. Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Die Regulatorik bremst uns bei der Weiterentwicklung fachlicher Inhalte oftmals sogar aus. Man ist auf dem besten Weg, ein Produkt weiter auszufeilen, und dann kommt wieder eine neue Auflage, die uns auf „Los“ zurücksetzt.  

Klaus Wiegand: Dass ein Release aus regulatorischer Sicht erforderlich wird, ist die eine Seite der Medaille. Auch wir können nur erfolgreich am Markt sein, wenn wir unsere Kunden begeistern und überzeugen. Das heißt, wir müssen damit punkten – und das tun wir auch –, dass unsere Lösungen die Banken, soweit es geht, bei der Umsetzung effizient unterstützen.

think.bank: Wie wirkt sich das auf das Produktdesign aus?

Heinz-Otto Krauskopf: Unsere Aufgabe ist es, die Regulatorik fassbar zu machen. Die ideale Software gibt der einzelnen Bank das gute Gefühl: Ja, die ist wie für mich gemacht. Banken mögen keine Standardisierung, zumindest stehen sie ihr skeptisch gegenüber. Deswegen ist unser Ziel, den richtigen Mix aus Standardisierung, sprich: Hintergrundroutinen wie beispielsweise Algorithmen, und Flexibilität zu finden. Oder mit anderen Worten: Standards so zu gestalten, dass sie sich durch eine entsprechende Parametrisierung wieder individuell anfühlen. Dazu gehört auch, dass eine Lösung sich den unterschiedlichen Größen der Banken anpassen kann.

think.bank: Wie sorgen Sie für das nötige regulatorische Know-how in Ihren Teams?

Klaus Wiegand: Wir setzen sehr auf die fachliche Weiterbildung im Haus. Dazu gehören Schulungen, Gastreferenten oder auch Fachliteratur, die wir unseren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Egal, ob jemand Betriebswirt, Bankkaufmann oder IT-Entwickler ist – ohne ein fundiertes Grundverständnis für die Zusammenhänge geht es nicht. Und sicherlich ist auch das individuelle Engagement eines jeden Kollegen, das wir fördern, eine Facette des Erfolgs.

think.bank: Wen binden Sie bei der Produktentwicklung ein?

Heinz-Otto Krauskopf: Wir haben natürlich ein eigenes Produktmanagement, das neue Themen identifiziert und Entwicklungen vorantreibt. Wichtig ist für uns aber, dass sowohl die Fiducia & GAD als auch die Banken in den Entwicklungsprozess frühzeitig eingebunden sind. Nicht zu vergessen unsere Kunden aus dem Privatbankenmarkt.

Klaus Wiegand: Und dann sind da natürlich auch die Gespräche mit den Vertretern aus dem genossenschaftlichen Verbund. Dafür haben wir Arbeitskreise, in denen wir Feedback zu unseren Lösungsvorschlägen bekommen und auch Impulse, an was wir alles denken müssen. Daraus leiten wir die Release-Inhalte ab und schreiben sie schließlich in das Pflichtenheft für unsere Entwickler. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass bei uns Produktmanager und Softwareentwickler zusammensitzen – da erfolgt der Abgleich zwischen dem, was aus Anwendersicht wünschenswert wäre, und dem, was technisch machbar ist, unmittelbar. Die fertige Software nimmt uns die Fiducia & GAD als Lizenznehmer ab und integriert sie in agree21.

think.bank: Sie agieren aber auch auf dem Drittmarkt …

Heinz-Otto Krauskopf: Richtig, dort stehen wir in direktem Kontakt mit Privat- und Großbanken. Davon profitieren übrigens auch unsere Kunden innerhalb der FinanzGruppe. Denn die Erfahrungen und Ergebnisse, die wir aus diesem Segment mitnehmen, sind ein wichtiger Blick über den genossenschaftlichen Tellerrand, wenn man das mal so formulieren darf…

think.bank: Wie hat sich die Bedeutung der Regulatorik für Ihre Arbeit in den letzten Jahren entwickelt?

Klaus Wiegand: Ich würde mal sagen, parallel zur wachsenden Bedeutung der Regelwerke im Bankwesen auch. Es gab eine Zeit, in der waren Banksteuerung – also unser ursprüngliches Kerngeschäft – und Meldewesen strikt getrennte Welten.

Heinz-Otto Krauskopf: Früher war Regulatorik auch eher ein statisches Thema, es waren keine aufwendigen Kalkulationen notwendig. Es gab Anforderungen ans Meldewesen, die vor allem im Rechnungswesen relevant waren. Heute lässt sich dieses Thema nicht mehr losgelöst vom Controlling und der Risikosteuerung betrachten. Regulatorische Anforderungen haben somit immer auch eine betriebswirtschaftliche Komponente – mit der entsprechenden Rechenintensität. Das heißt, bei jedem Produkt, mit dem die Bank Geld verdienen kann, muss sie immer auch überlegen, ob es noch in die regulatorischen Rahmenbedingungen passt.

Klaus Wiegand: Und ganz ehrlich: Hier stellt sich die Frage, ob die regulatorischen Anforderungen immer zu allen Größen von Banken passen – unserer Meinung nach nicht. Wir würden uns wünschen, dass hier mehr der Struktur einer Bank und ihrer Größe Rechnung getragen wird. Gerade die kleinen Banken sind meist sehr erfolgreich und leiden unter der Thematik; hier sollte der Regulator ein Zeichen setzen, dass die Vielfalt der Banken ihre Berechtigung hat.

think.bank: Was wäre eine logische Konsequenz daraus?

Heinz-Otto Krauskopf: Ganz klar eine differenzierte Betrachtung, welche regulatorischen Anforderungen zu welchen Banken passen. Sicherlich haben diese Anforderungen aufgrund der Ereignisse der letzten Jahre ihre Berechtigung, und da muss die Aufsicht weiter den schwarzen Schafen auf die Finger klopfen. Aber gerade unsere genossenschaftliche FinanzGruppe hat gezeigt, dass man Krisen ohne fremde Hilfe übersteht. Mit anderen Worten: Regulatorische Anforderungen – ja, die müssen sein. Aber bitte unterschieden nach Größe, Komplexität des Geschäfts und nach der Struktur einer Bank.